Um sich die Bildmotive zu erschließen, gewährt Seibetseder den BetrachterInnen eine größtmögliche Freiheit. Das Formulieren individueller Assoziationsketten, die sich aus psychologischer Sicht meist aus Erlebnissen der Vergangenheit und des Alltags speisen, ist vom Künstler dezidiert erwünscht. Seibetseder selbst schließt sich hier nicht aus: Die Idee, Aluminiumfolie vielfach als Bildträger zu verwenden, basiert auf einer Kindheitserinnerung, wonach die Mutter in den 1950er Jahren als Konditorin Schokohasen gegossen, mit Aluminiumfolie verpackt und bemalt hatte.
Eigentlich sei er ja Landschaftsmaler, konstatiert Seibetseder in einem Gespräch, verwende Landschaft jedoch eher als Mittel zum Zweck, um seinen Bildgeschichten einen adäquaten Raum geben zu können. Und doch glaubt man immer wieder, Werkinterpretationen von Landschaften William Turners, Odilon Redons, Claude Monets oder der deutschen Expressionisten zu entdecken: geheimnisvoll, atmosphärisch, irritierend, symbolbeladen, farbgewaltig.
Mag. Hartwig Knack Kunsthistoriker / Kulturwissenschafter
Meine Bilder entstehen aus dem Unterbewussten: Im Malprozess tauchen Elemente auf, die mich im Alltag berühren und beschäftigen. Ich beginne immer spontan, ohne Bilder im Kopf – intuitive Farbwahl. Im Laufe der Zeit entstehen Figurationen, welche ich im Entstehungsprozess konkretisiere und forme, andere nicht. Dieses Erforschen ist die Essenz meiner Kunst! Der Beobachter kann dies nachvollziehen, seine eigenen Inhalte finden.
Meine Werke sind Impulsgeber und Auslöser; Assoziation und Interpretation. Geschichten erzählend, Geschichten ohne Anfang und Ende, durch diese Erzählung entsteht eine eigene Intensität. Der Betrachter wird gefordert. Seine Neugier geweckt. Weil nichts ist wie es scheint!
Wilhelm A. Seibetseder